Vietnam für Schwule und Lesben

Südostasien ist ein beliebtes Reiseziel für Schwule und Lesben. Thailand gilt als tolerantes und offenes Land, in dem Schwule und Lesben einen herrlichen Urlaub verbringen können. Aber auch andere Länder in Südostasien öffnen sich diesem Trend. Vietnam zum Beispiel.

Bis vor ein paar Jahren galt dieses Land als überaus homophob, obwohl es in der vietnamesischen Geschichte keine nennenswerte Gesetzgebung gegenüber gleichgeschlechtlich Liebenden gegeben hat. Seit circa 2009 hat sich dies jedoch erheblich geändert. Die vietnamesische Regierung hat ein Programm aufgelegt, dass es heimischen Schwulen und Lesben ermöglicht, sich zu outen und auch öffentlich sichtbar zu werden. Tatsächlich ist die Schwulenszene in den großen Städten Ho Chi Minh City und Ha Noi stark gewachsen und mittlerweile auch fester Bestandteil des urbanen Lebens. In 2014 diskutierte die vietnamesische Nationalversammlung gar die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe, was allerdings noch formal scheiterte. Vietnam ist damit jedoch in der modernen Welt angekommen. Und vielleicht nun eine Alternative wert für einen schwul-lesbischen Urlaub?

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In den letzten Jahren hat Vietnam einen rasanten Aufschwung erlebt. Nicht nur im Tourismus, sondern in der Wirtschaft allgemein. Der damit einhergehende Wohlstand macht sich öffentlich bemerkbar. Die Vietnamesen wollen nun abends ausgehen, wollen ihr Geld ausgeben und Spaß haben. Auch die vietnamesischen Schwulen und Lesben folgen diesem Trend. Und so haben nicht nur in Ha Noi und Ho Chi Minh City, sondern mittlerweile auch in kleineren Städten wie Da Nang, Nha Trang und Can Tho gay-friendly Lokale geöffnet. Aber was Vietnamesen Spaß macht, muss noch lange nicht attraktiv für ausländische Gäste sein. Was kann man also abends tun?

Eine wirklich, ausschließlich Schwul-lesbische Szene existiert noch nicht wirklich. Die erste Anlaufstelle für schwul-lesbische Urlauber dürften die Bars in Ha Noi und Ho Chi Minh City sein. Sie sind offen für jegliches Publikum, also nicht nur für beide Geschlechter, sondern auch Treffpunkt für hippe Straights. Das macht das Flirten sicher ein wenig schwierig, zumal emotionales Auftreten in Vietnam generell eher verpönt ist. Vietnamesen sind da eher direkt im Chat, aber mehr als introvertiert in der Öffentlichkeit. Konfuzianisch geprägte Gesellschaften sind formaler als Westliche. Allerdings ist es in den gay-friendly Bars immer noch eher möglich, Gleichgesinnte zu finden als auf der Straße. Strictly-gay, also ausschließlich schwul-lesbische, Bars oder Cafés gibt es allerdings nicht. Oft gehen vietnamesische Schwule und Lesben aber gerne in solche, die Gleichgesinnten gehören, so dass sich quasi-LGBT Bars und Cafés bilden. Auch gay-friendly Hotels sind bislang noch eher unterrepräsentiert. Schwule und Lesben werden allerdings in jedem Hotel willkommen geheißen.

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Obwohl Vietnamesen gerne Parties veranstalten, klafft doch ein großes Loch in der schwulen Partyszene. In Ho Chi Minh City gab und gibt es unregelmäßig die Bitch-Party, ein Event nur für Schwule. Solche Parties haben sich aber bislang noch nicht durchgesetzt. Wer also in seinem Urlaub mehr auf Party und Spaß steht, sollte sich wirklich überlegen, ob nicht Thailand oder Bali, oder vielleicht auch Kambodscha, nicht die bessere Wahl sind. Denn Parties im westlichen Stil sind nur einer eher wohlhabenderen Schicht von Vietnamesen bekannt. Auch die jährlichen CSD-Veranstaltungen in Vietnam sind eher gewöhnungsbedürftig. In die knapp fünf Jahre der Öffnung gegenüber schwul-lesbischem Leben, sollten Urlauber nicht allzu hohe Erwartungen setzen.

Was sicher am einfachsten zu erreichen ist, ist die Suche nach Sex und Fun. Von normalem Cruising bis zu Gay Saunas und Massageplätzen gibt es alles. In Chats finden sich viele Vietnamesen, die gerne ausländische Männer suchen. Das ist nicht immer einfach, denn die meisten Vietnamesen sprechen nur gebrochenes Englisch. Prostitution ist in Vietnam generell verboten. Dies sollten Urlauber bedenken, die sich auf einen Callboy festlegen wollen. Zwar ist käuflicher Sex wirklich überall zu haben, aber wie vieles andere in diesem Land auch, wird es eben nicht sichtbar gemacht. Die Polizei und der nachfolgende Skandal offenbaren sich da, wo Illegales öffentlich wird. Dies macht die Suche nach einem Callboy zwar möglich, aber wenn es Probleme geben sollte, kann dies auch fatal werden. Denn als Urlauber kann man eben nicht einfach zur Polizei gehen – was man allerdings tun sollte. Cruisingplätze sind zwar bekannt, aber es ist schwierig, hier jemanden anzuflirten. Oft sind diese Plätze auch von Kriminellen, Taschendieben und Drogenkomsumenten besucht. Ohne tiefere Kenntnis der vietnamesischen Kultur sollte man diese Plätze wirklich meiden; insbesondere die Drogenszene. Am einfachsten sind die Gay Saunas, da hier speziell alle die gleichen Ziele verfolgen und dementsprechend direkt geflirtet werden kann. Massagesalons bieten spezielle Boy-on-boy-Massagen an, bei denen der Kunde dann bei einem „happy ending“ ein Taschengeld geben muss. Hotels haben normalerweise kein Problem, wenn Urlauber Gäste mit aufs Zimmer bringen. Allerdings gibt es Hotels, die dies einschränken.

Vietnam steht sicher erst am Anfang, um Schwulen und Lesben einen schönen Spaßurlaub zu bieten. Die meisten Schwulen und Lesben werden hier einen normalen Kultururlaub, eine Rundreise oder einen Badeurlaub erleben, wie ihn alle anderen Besucher auch erleben. Ein ausschließlich schwul-lesbischer Urlaub ist noch nicht bekannt, aber wird es sicher in ein paar Jahren geben. Schwule und Lesben, die an einem Urlaub im Land des Aufsteigenden Drachen interessiert sind, können sich natürlich bei der herrlichen Landschaft, den netten und hilfsbereiten Vietnamesen und dem wundervollen Essen erholen. Wer tiefer in die vietnamesische Schwulenszene eintauchen will, wird dies ohne Bekanntschaft von einheimischen Schwulen und Lesben kaum machen können. Das Internet bietet heute allerdings viele Plattformen, um schon im Vorfeld mit Einheimischen zu chatten, Informationen einzuholen und neben dem Sightseeing auch das ein oder andere schwul-lesbische Abenteuer einzuplanen. Wer bei seinem Vietnamaufenthalt eben nun keine Ballermann-Atmosphäre braucht, der kann hier durchaus seinen Spaß haben. Vietnam ist eben noch eine sehr bodenständige Gesellschaft und so bietet sich auch die schwul-lesbische Szene dem Besucher dar.

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