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Suzuki Jimny Foto: F. Moritz
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Suzuki Jimny – Coole Kiste mit Kanten

Schon die erste Generation des Suzuki Jimny (seit 1998) hatte die Herzen einer großen und kompromissbereiten Fangemeinde im Sturm erobert. Geliebt wurde der kleine Kraxler u.a. wegen seiner Geländegängigkeit und dem günstigen Preis. Die zweite Jimny-Generation begeistert seit 2018 die Offroad-Jünger mehr denn je.

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LED-Scheinwerfer gibt es serienmäßig in der Ausstattungslinie Comfort+         Foto: F. Moritz

Als dieser Test im Februar 2021 entstand, war der Suzuki Jimny laut Herstellerseite aktuell nicht verfügbar. Grund könnte der hohe CO2-Ausstoß (198 g/km nach WLTP) des 3,64 Meter kurzen Japaners sein. Deshalb soll er, ohne Rückbank und als Nutzfahrzeug eingestuft, 2021 wieder auf den Markt zurückkommen. Dann mit einem Kofferraumvolumen von 863 Litern. Bei einigen Händlern steht aber noch die getestete viersitzige Variante auf dem Hof.

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So sehen Autos fürs Gelände aus: Suzuki Jimny           Foto: F. Moritz

Der Testwagen hatte die Karosseriefarbe “Kinetic Yellow” – eine Explosion für die Augen. Dieser Farbton in Kombination mit dem schwarzen Dach garantieren dem kleinen Kraxler schon mal große Aufmerksamkeit. Insgesamt stehen sieben Lackfarben für die Karosserie und drei fürs Dach zur Auswahl.

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Das Reserverad ist aus Platzgründen an der Hecktür angebracht            Foto: F. Moritz

Den Suzuki Jimny gibt es in zwei Ausstattungslinien (Comfort und Comfort+), generell als Dreitürer, einer Motorvariante und mit manuellem 5-Gang-Schaltgetriebe oder mit 4-Stufen-Automatik. Und natürlich immer mit Allradantrieb.

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Ringsum große Fenster sorgen für sehr gute Übersicht          Foto: F. Moritz

Die zweite Generation des Jimny will kein weichgespülter SUV sein, sondern ein echtes Offroad-Kfz – aber mit moderner Ausstattung. Die ersten Sympathiepunkte gewinnt er durch seine kantige und schon etwas Retro wirkende Karosserieform.

Mit einer Länge von nur 3,64 Meter (inklusive Reserverad), einer Breite von 1,64 Meter und einer Höhe von 1,70 Meter ist er auch in der Stadt ein idealer Begleiter. Einen passenden Parkplatz für den kleinen Kerl zu finden, sollte bei den Abmessungen kein Problem sein. Zumal der Wendekreis auch nur 9,8 Meter beträgt.

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81 Zentimeter beträgt die Ladekantenhöhe beim Suzuki Jimny       Foto: F. Moritz

Das Reserverad ist aus Platzgründen an der Hecktür angebracht. Diese ist leider rechts angeschlagen, so dass man sich beim Beladen um die Tür herum bewegen muss. Das Kofferraumvolumen beträgt klägliche 85 Liter und erhöht sich durch umlegen der Rücksitzlehnen auf 830 Liter (bei Dachhoher Beladung).

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12 Volt Dose und glatte Kunststoffoberflächen im Kofferraum        Foto: F. Moritz

Die harten Kunststoffoberflächen des Laderaums und der Rücksitzlehnen sind zwar robust und abwaschbar, das Gepäck aber rutscht auf den glatten Flächen in jeder Kurve hin und her.

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Der Kofferraum ist komplett mit robustem Kunststoff ausgekleidet         Foto: F. Moritz

Ein kleines Fach im Kofferraumboden bietet zusätzlichen Platz für das Verbandszeug und Kleinkram. Eine 12 Volt Dose sitzt links im Kofferraum. Praktisch ist im Suzuki Jimny die umklappbare Beifahrerlehne. Nicht gerade beeindruckend ist die maximale Zuladung von 270 kg. Reicht aber für die Abenteuertour von zwei Personen, Rucksäcke, Zelt, Schlafsäcke, Isomatten und einer Kiste Bier.

Das Dach kann mit 40 Kilogramm belastet werden und wer sich eine Hängerkupplung gönnt, kann noch 1,3 Tonnen (gebremst) an den Haken nehmen.

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Der Testwagen hatte serienmäßig 15-Zoll-Alus        Foto: F. Moritz

Die Türen haben einen sehr großen Öffnungswinkel und man kommt leicht auf die 78 Zentimeter vom Boden entfernten Vordersitze. Was sofort auffällt sind die gute Übersichtlichkeit und die einfachen Materialien. Wer auf der Rückbank Platz nehmen muss, sollte einen funktionierenden Bewegungsapparat besitzen.

Das Entern der zweiten Reihe ist nämlich nicht ganz einfach und bei einem Radstand von 2,25 Metern kann man auch nicht viel Platz erwarten.

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Die zweite Reihe ist nur für Kinder oder als zusätzlicher Stauraum nutzbar          Foto: F. Moritz

Die beiden Rücklehnen sind hart wie ein Brett, lassen sich aber in der Neigung verstellen. Wenn die Vordersitze nicht zuweit nach hinten geschoben sind, hat man in der Jimny-Lounge auch einigermaßen Platz für die Beine. Sagen wir es so: Der Suzuki Jimny ist für mich ein passabler Zweisitzer und die Rückbank sollte besser als Stauraum genutzt werden.

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Einfache Materialien, aber gute Übersicht          Foto: F. Moritz

Wer einen Suzuku Jimny fährt muss bei Luxus und Komfort viele Abstriche machen. Die Materialien im Innenraum z.B. sind komplett aus hartem Kunststoff. Sauber verarbeitet, aber von der Haptik her nicht schön. Dafür kann man überall mit schmutzigen Händen anfassen und es lässt sich einfach abwischen. Sehr positiv hat mich überrascht, dass der Japaner auf holprigen Untergrund keinerlei Klappergeräusche von sich gab.

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Das Lenkrad ist nur in der Höhe verstellbar            Foto: F. Moritz

Der Armaturenträger ist zweckmäßig, verständlich und übersichtlich eingerichtet. Hier findet man sich schnell zurecht. Die Vordersitze waren für meinen Geschmack viel zu klein und unbequem. Für längere Strecken wird sich da wohl nur der hartgesottene Jimny-Fan mit engagieren können. Zwei analoge Rundinstrumente mit dazwischenliegendem Info-Display sitzen hinter dem Lederlenkrad.

Ansonsten bietet der Suzuki Jimny als Comfort+ noch ein Navi-/Infotainmentsystem samt Touchscreen, Sprachbedienung, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Sitzheizung, Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitserkennung, Spurverlassenwarner, eine Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, Privacy Glass, automatische Fahrlichschaltung, elektrische Fensterheber und Bergab- und anfahrhilfe. Was braucht man mehr? Und dieses Kfz kostet so ausgestattet nur rund 20.000 Euro.

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Es gibt nur einen Motor für den Suzuki Jimny        Foto: F. Moritz

Das Kapitel Motor und Fahrleistungen sind schnell erzählt. Für den Suzuki Jimny gibt es nur einen 1,5-Liter-Vierzylinder Benzin-Motor. Dieser leistet 102 PS bei 6.000 U/min und das Drehmoment von 130 Nm liegt bei 4.000 U/min an. Da der Japaner ein Leergewicht von 1.165 Kilogramm hat, reicht die Leistung zumindest in der Stadt und auf der Landstraße aus.

Auf der Autobahn geht es maximal auf 140 km/h. Aber hier fühlt sich der Bonsai-SUV schon konzeptbedingt und vom Karosserieaufbau her nicht richtig wohl. Und für die Passagiere ist es akustisch deutlich zu laut. In der Stadt ist er als Kleinwagen und trotz Komfortschwächen durchaus eine gute Alternative. Der Durchschnittsverbrauch lag während der Testfahrt bei 7,7 Liter.

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Der Suzuki Jimny gehört ins Gelände        Foto: F. Moritz

Der Suzuki Jimny ist ein richtiges Geländefahrzeug. Punkt. Abseits der Straße spielt er auch gegenüber der viel teureren Konkurrenz seine Stärken voll aus und bietet ganz großes Offroad-Kino. Der Böschungswinkel beträgt 48 Grad (vorn 36 Grad), der Rampenwinkel 27 Grad und die Mindest-Bodenfreiheit 205 mm.

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Der kleine Hebel in der Mitte macht den Jimny zum großen Kraxler         Foto: F. Moritz

Der Suzuki Jimny wird normalerweise über die Hinterräder angetrieben. Allrad kann manuell zugeschaltet werden. Dazu gibt es eine Offroad-Untersetzung, Leiterrahmen und Starrachsen. Eine Berganfahrhilfe und eine auf Knopfdruck aktivierbare Bergabfahrhilfe vervollständigen seine Offroadausstattung.

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Wintereinbruch in Berlin: Der Suzuki Jimny nimmt es gelassen        Foto: F. Moritz

Am zweiten Tag der Testfahrt zog Tiefdruckgebiet “Tristan” über Berlin und brachte Schnee und Kälte wie seit zehn Jahren nicht mehr. Damit waren geplante Offroadtouren und die längere Autobahnetappe gestrichen. Der Schnee und die überfrorenen Straßen hatten aber auch etwas gutes. So konnte der Suzuki Jimny seine Wintertauglichkeit unter Beweis stellen, zumal der Winterräumdienst in der Hauptstadt nicht der schnellste ist.

Die Sitzheizung mit nur einer Stufe macht richtig Feuer unterm Hintern. Um den Innenraum bei Minusgraden auf Wohlfühltemperatur zu bekommen, brauchte der Suzuki Jimny ca. 15 Minuten Fahrstrecke.

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Verschneite Wege sind kein Problem für den Suzuki Jimny        Foto: F. Moritz

Dank seines zuschaltbaren Allradantriebs waren Schnee und Eis kein Problem für den Jimny. Die Traktion war top und gab ein sicheres Gefühl beim Fahren. War der Straßenrand von den Räumfahrzeugen mit Schnee zu geschoben, nahm es der Japan-Bonsai sportlich. Hier wühlte er sich ohne Probleme durch den Schneematsch – rein und raus.

Und wenn es richtig pampig auf den Feldwegen wurde, war es dem allradgetriebenen Suzuki Jimny auch das egal. Er kennt einfach keine Hindernisse, sondern nur sein Ziel.

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Mein Hund Broesel hatte mit dem Schnee und im Jimny viel Spaß        Foto: F. Moritz

Was kann der Suzuki Jimny eigentlich nicht? Antwort: Bremsen. An den Hinterrädern müssen Trommelbremsen ausreichen. Vorne sind Scheibenbremsen eingebaut. Der Bremsweg aus 100 km/h ist fast vergleichbar mit einem Kreuzfahrtschiff (etwas übertrieben). Beim Komfort, Handling, Materialqualität und auf Autobahnstrecken müssen Abstriche gemacht werden. Und für mich persönlich sind die Vordersitze zu klein und unbequem.

Aber das nehmen die wahren Jimny-Freaks alles in Kauf, denn dieses Kfz ist noch ein echter Offroader der auch optisch auffällt. Er ist stylisch, voll geländetauglich und das Beste, er ist bezahlbar. Der Testwagen als Comfort+ mit Allradantrieb und manueller 5-Gang-Schaltung – Achtung! – 20.900 Euro (mit Automatik 22.100 Euro).

Der Testwagen wurde von Suzuki zur Verfügung gestellt.