Street Food in Berlin: Donnerstags in Markthalle Neun

Die Markthalle IX im Ortsteil Kreuzberg wurde 1891 eröffnet – Quelle: Flickr Richard Ricciardi

Jeden Donnerstag ist die Markthalle Neun erfüllt von appetitanregenden Düften und einem babylonischen Sprachengewirr. Der Street Food Thursday ist einfach toll.

Donnerstags wird’s immer rappelvoll rund um die und in der Markthalle Neun in Kreuzberg. Der Street Food Thursday zieht Hungrige und Durstige in Scharen an. Auf den Straßen rund um die ehrwürdige Halle gibt es keine Parkplätze mehr, der Verkehr staut sich.

Dranvolle Enge in der Markthalle Neun

In der Markthalle Neun ein ähnliches Bild: überall essende und trinkende Besucher. Glück hat, wer noch ein Plätzchen auf den einfachen Bierbänken findet. Wer zu spät kommt, muss im Stehen Hunger und Durst stillen.

Riesenauswahl am Street Food Thursday

Bei der Menü-Zusammenstellung fällt die Wahl ziemlich schwer. Lieber ein Stückchen Rind, das sechs Stunden in Cidre geschmort hat, oder doch die vietnamesischen Glücksrollen, die ob ihrer reichen Aromenvielfalt im vergangenen Jahr sogar einen Preis gewonnen haben?

Spezialitäten aus aller Welt

Verführerisch sehen auch die peruanischen Spezialitäten wie Ceviche aus, jener köstliche, in Limettensaft und Chili marinierte Weißfisch, oder auch Perus Nationalgericht Causa, ein Kartoffelstampf mit herzhafter Füllung und fein geschnittenem Lachs sowie Avocadodip? Auch das Couscous, das von einem Schwarzbärtigen mit orientalischem Kopfputz aus großen Taginen ausgeschenkt wird, schmeckt, wie von Besuchern lautstark versichert wird, ausgezeichnet.

Auf eine uckermärkische Bockwurst

Zurück zum Naheliegenden: Die uckermärkische Bockwurst mit Kartoffelbrot hat ein sehr würzig Aroma und ist so gut, dass die Verkäuferin direkt traurig wird, als sie die letzte (an mich) verkaufen muss: „Schade, dass ick die nich selbst essen kann…“

Erschwingliche Preise

Der dünn aufgeschnittene Ibero-Schinken sieht auch verführerisch aus, ebenso die britischen Pies, die thailändischen Dumplings und die Allgäuer Kasspatzen… Alle Leckereien aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Am besten selbst vorbeischauen. Das lohnt unbedingt, denn die Preise sind erschwinglich (das Meiste liegt so bei um fünf bis sechs Euro) und es herrscht eine extrem entspannte Stimmung, selbst im dicksten Gedränge bleiben die Leute locker.

Internationales Publikum

Wer durch die Gänge schlendert, kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die Berliner in der Minderheit sind. Französisch, Spanisch, Italienisch, Englisch, Holländisch, Russisch oder Polnisch sind alltäglich am Street Food Thursday. Kosmopoliten fühlen sich an die Atmosphäre im trendigen Spittalsfield Market in East London erinnert. Kein Wunder, dass alle Aushänge und Menükarten zweisprachig sind.

Verbraucher und Produzenten auf Augenhöhe

Zu erzählen gibt es hier auch wirklich viel, denn die Esser kommen schnell und problemlos untereinander (ob der drangvollen Enge) und  mit den Köchen ins Gespräch. Verbraucher und Produzenten auf Augenhöhe – das ist die Philosophie der Markthalle Neun. Und sie funktioniert.

Die Markthalle Neun als große Imbissbude

Wer hier gehobene Tischkultur erwartet, wird leider enttäuscht. Denn die Markthalle Neun verwandelt sich donnerstags von 17 bis 22 Uhr in eine riesigen Imbissbude mit internationalem Flair. Das Essen wird in kleinen Holz- oder Styroporschalen serviert, das Besteck ist aus Plastik oder Holz. Den Wein gibt es immerhin in Gläsern zu drei Euro das Stück Pfand.

Street Food Thursday in Markthalle Neun

In ihrer jetzigen Form besteht die Markthalle Neun seit 2011, als drei Investoren aus der Branche die marode Eisenbahnmarkthalle übernahmen und zu dem machten, was sie jetzt ist: ein lebendiger Ort für neugierige Esser und Gourmets.

  • Street Food Thursday, jeden Donnerstag, 17-22 Uhr, Markthalle Neun, Eisenbahnstraße 42/43, Kreuzberg, 10997 Berlin, 030/577 094 661, www.markthalleneun.de
  • U-Bahn: Schlesisches Tor (U1)
  • Bus: 140 (bis Wrangelstraße), 265 (bis Eisenbahnstraße)

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