Mit dem Porsche 718 Boxster durch die Alpen

Vollkommen unpassend beginnt die Erfahrungstour mit dem Porsche Boxster an dem aktuellen Wahrzeichen technologischen Stillstands, dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Zuletzt von mir vor einer halben Ewigkeit besucht, sieht die Baugrube noch unverändert aus.

Sollte die Höchstgeschwindigkeit der Bauaktivitäten aktuell überschritten werden, droht garantiert keine Post aus Flensburg. Abgehakt, 20 Minuten später sind der Testwagen abgeholt, das Gepäck verstaut und die Reise gen Süden kann beginnen.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Am Porsche-Werk begann die Testfahrt     Foto: S. Moritz

Beim Porsche 718 Boxster handelt es sich um die Basisversion mit 300 PS und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK). In 4,7 Sekunden geht es mit dem Sport Chrono Paket (2.225 Euro) und dem PDK (2.826 Euro und 25 Cent!!!) auf die 100 km/h Landstraßengeschwindigkeit und weiter bis 275 km/h.

Für die Testfahrt ist eine kleine Alpenpasstour durch die Schweiz geplant, wobei wir beim Transfer zur Schweizer Grenze auf einen Verbrauch von 7,8 Liter/100 km kommen – beachtlich für einen Turbobenziner. Das oftmals von Enthusiasten gescholtene 4-Zylinder Triebwerk bietet in der Basisversion 380 Nm Drehmoment und klingt besser als einem der ein oder andere Fanatiker erzählen möchte.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Porsche Boxster 718     Foto: S. Moritz

Beim Beifahrer und Kameramann handelt es sich um einen Vertreter aus der japanischen Sportwagen Szene. Dort sind vier Zylinder, 2-Liter-Hubraum und Turbolader in Asphalt gebrannte Insignien von Motorsport. Es kommt halt immer auch auf die Perspektive, oder eben das Alter der Kritiker an.

Uns beiden gefällt das wahrnehmbare Säuseln des Turboladers ebenso, wie die Haptik aller Knöpfe. Alles klickt und rastet, sei es die Klimakontrolleinheit oder die Klappensteuerung der Abgasanlage.

Auf der Autobahn hält der Boxster stoisch seine Spur und das Verdeckt dämmt den Fahrtwind und die Abrollgeräusche sehr gut ab, so dass man mehr vom Motor hört, der sich direkt hinter den beiden adaptiven Sportsitzen (3.272 Euro) befindet.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Außenspiegel in Wagenfarbe am Porsche Boxster 718     Foto: S. Moritz

Die Route (https://goo.gl/maps/uL5XUxrPRghBjiuw8) führt vorbei an Zürich und Luzern und beginnt mit dem ersten Passsaufstieg zum Grimselpass. Sowohl das Navigationssystem (2.261 Euro), als auch Apple® Car Play (297 Euro), genau Google Maps, leisten sich bei der Routenführung keine Schwächen.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Das Navigationssystem kostet 2.261 Euro     Foto: S. Moritz

Ersteres blendet die Routeninformationen zusätzlich auf dem Rundinstrument ein, so dass man beim Fahren nicht auf den tief liegenden Monitor blicken muss. Dadurch bleibt mehr Zeit für den Genuss der spärlich frequentierten Passstraßen.

❏ Aufstieg zum Grimselpass

Vor dem ersten Anstiegt will der Boxster noch den 64 Liter Tank (119 Euro) mit Super Plus befüllt bekommen, dann beginnt die Ausfahrt und der Porsche zeigt seine Sportwagenambitionen. Die direkte Lenkung setzt die Einlenkwinkel präzise in jeder Kurve um, so dass bereits nach wenigen Kilometern ein Gefühl der Vertrautheit aufkommt, dass andere Konkurrenten auch nach 2 Jahren nicht vermitteln.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Direkte Lenkung im Porsche Boxster 718     Foto: S. Moritz

Das PASM Fahrwerk mit 10 mm Tieferlegung (1.428 Euro) ist weit zwischen Komfort und Sport Plus gespreizt, so dass für jede Gelegenheit eine passende Abstimmung vorliegt.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Porsche Boxster 718       Foto: S. Moritz

Ab 6.500 Touren deutet der Motor an, dass das Maximum an Drehmoment ausgeschöpft ist und ab 7.500 Touren bittet der Begrenzer um den nächsten Gang, bevormundet den Piloten aber nicht.

Bei offenem Verdeck machen die ersten Kurven einen Heidenspaß und die Diskussionen, ob nun zwei Zylinder fehlen, bleiben im Tal vergraben ebenso die Vertreter, die diese gerne führen. Nach kurzer Zeit ist der Grimselpass erreicht und der Boxster gönnt sich die erste Verschnaufpause.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Porsche Boxster 718 mit zwei mittigen Endrohren     Foto: S. Moritz

Zeit für einen kleinen Rundgang. Der normale Boxster Generation 982 hat serienmäßig die Bremsanlage des Boxster S (Generation 981) verbaut und sitzt auf 20 Zoll Carrera S Rädern (2.499 Euro).

Die Kombination aus indischrot und schwarz lackierten Rädern (1.178 Euro) steht dem Wagen vorzüglich. Insbesondere die schwarz abgedunkelten Bi-Xenon Scheinwerfer und Rückleuchten wirken im Einklang mit den Felgen sehr stimmig.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Indischrot steht dem Porsche Boxster 718 richtig gut      Foto: S. Moritz

Nach einer kurzen Stärkung im Restaurant Grimselblick (http://www.grimselpass.ch) geht es weiter Richtung Furkapass.

❏ Der Furkapass liegt dem Porsche Boxster 718

Der Aufstieg mit sehr engen Kurven und die spätere Furkastraße liegen dem Boxster sehr. Zwar könnte man beim Herausbeschleunigen immer noch etwas mehr Leistung und Drehmoment herbeisehnen, dafür kann man die gesamte Leistung jederzeit abrufen. Insbesondere an den Abschnitten ohne Leitplanke beschleicht einen immer das Gefühl absoluter Beherrschbarkeit, die das Fahrwerk vermittelt.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Porsche Boxster 718     Foto: S. Moritz

Ebenso die Bremsanlage, die auch nach einer gesamten Tagestour stets tadellos Verzögert und absolutes Vertrauen schafft, bis man die gesamte Passstraße abgefahren ist. Auf der letzten Etappe des Tages geht es auf Landstraßen Richtung Hotel und es bleibt Zeit den Innenraum weiter zu betrachten.

❏ Doppeltes Ladevolumen im Boxster 718

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Typischer Porsche-Arbeitsplatz im Boxster 718      Foto: S. Moritz

Die Lederausstattung in schwarz (3.195 Euro) fühlt sich gut an und das Auge findet keine Beanstandungen im Innenraum. Der seit 2012 gebaute Boxster 981 und jetzt 982 sind noch aus einer Phase, in der riesige Displays in Hotellobbys das Nachrichtengeschehen zeigten und nicht die Klimasteuerung oder eine Navigationskarte.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
150 Liter Gepäck passen ins Heck vom Porsche Boxster 718     Foto: S. Moritz

Allerdings ist die Größe des Displays auch 2019 noch kein Stich im Autoquartett der Sportwagen und der Blick geht eher Richtung GT-Sportlenkrad (272 Euro) oder zentralem Drehzahlmesser. Konkurrenzfähig ist zudem das doppelte Ladevolumen von 150 Liter und 125 Liter. Bordtrolleys und Reisetaschen kann man hier problemlos verstauen, auch weil das geöffnete Verdeck keinen zusätzlichen Platz beansprucht.

Porsche Boxster 718 Foto: S. Moritz
Vorne ist noch Platz für 125 Liter Gepäck     Foto: S. Moritz

❏ Fazit der Tour

Die abendliche Ankunft am großen St. Bernard bei 9 Grad kühlt die Laune des Tages nicht ab. Im Hotel Italia (http://www.gransanbernardo.it) hat die Küche zwar schon zu, vorzügliche Pizza und Rotwein gibt es aber noch an der Bar. Dort kommen wir auch schon zum Fazit. Der Boxster hat eigentlich alles was man braucht. Einen zusätzlichen Sitz, um zu priorisieren, wen man auf seiner Reise mitnimmt und genug Leistung für enge Passstraßen. Den Porsche Boxster 718 gibt es ab 56.383 Euro und mit zwei Jahren Garantie. Der Testwagen kostete mit diversen Zusatzausstattunge 86.614,95 Euro.

Porsche verbaut im Boxster die Möglichkeit, von einer Sekunde auf die andere selbst zu entscheiden, ob man von A nach B kommen, oder auf der Strecke dazwischen jede Kurve und Gerade genießen will. Auf der beschriebenen Tour sieht man jede Minute Sportwagen mit doppelt soviel PS, aber niemand würde auf die Idee kommen, dort wie auf der Rennstrecke zu fahren. Vielleicht sind einige Porsche dort zu Hause, der Boxster ist es in der Schweiz auf engen Passstraßen.

Der Testwagen wurde von Porsche zur Verfügung gestellt.

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