Maserati Ghibli S Q4 – Der kleine Italiener

Maserati, die italienische Marke mit dem Dreizack im Logo wurde 1914 in Bologna gegründet und baute seit dieser Zeit viele emotionale Sportwagen. 1966 kam der Maserati Ghibli als Zweisitzer mit V8-Motor ins Portfolio. Vier Fahrzeugmodelle gehören mittlerweile zu Maserati, wobei der Ghibli die kleinste Variante ist. Der Testwagen kam mit vier Türen, vorn längs eingebautem V6-Twin-Turbo-Triebwerk und Allradtechnik vorgefahren.

❏ Karosserie

Das Design der Maserati Ghibli S Q4 Karosserie verkörpert auf 4,97 Metern Länge eine betont sportliche Eleganz mit einer ordentlichen Portion italienischer Raffinesse. Senkrechte Streben und das mittige Dreizack-Logo vor der langgezogenen Motorhaube prägen die Front. Die integrierten Tagfahr- und Blinklichter mit LED-Technik erstrahlen in den Scheinwerfern. Die Seitenlinie wird von den drei Luftauslässen in den vorderen Kotflügeln, der geschwungenen Dachform und dem Logo an der C-Säule betont. Dem 1,95 Meter breiten Heck drücken die beiden Doppel-Endrohre und die Rückleuchten ihren sportlichen Stempel auf.

❏ Kofferraum

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Mit 500 Litern Kofferraumvolumen passt in den Maserati Ghibli S Q4 ein Tick weniger als bei der deutschen Konkurrenz ins Heckabteil. Das Leergewicht beträgt 1870 Kilogramm und die maximale Zuladung beträgt stattliche 660 Kilogramm. Die Rücklehne lässt sich zusätzlich geteilt umlegen. Allerdings ist das nur vom Innenraum aus möglich. An zwei Schlaufen muss gezogen werden damit die Lehnen umklappen. Das ist nicht gerade die ideale Lösung. Was mich auch noch störte, waren die nichtverstellbaren äußeren Kopfstützen und das es für Erwachsene auf der Rückbank trotz eines Radstands von knapp drei Metern an den Knien recht eng wird. Dass die Fenster in den hinteren Türen nicht vollständig versenkt werden können, sei noch erwähnt.

❏ Innenraum + Ausstattung

In den breiten, elektrisch verstellbaren Ledersesseln können es sich Fahrer und Beifahrer gemütlich machen. Die serienmäßige Lederausstattung im Maserati Ghibli S Q4 gibt es in drei Varianten. Außerdem können Teile der Armaturentafel, die Instrumentenabdeckung und die Armauflagen in den Türen mit dem gleichen Leder wie dem der Sitzpolsterung bestellt werden. Die Verarbeitung und die Qualität der verwendeten Materialien überzeugten mich komplett, was man in dieser Preisklasse aber auch erwarten darf.

Hinter dem Lenkrad mit den Alu-Schaltwippen sitzen zwei Rundinstrumente für die Geschwindigkeit und die Drehzahl. Dazwischen noch ein kleines Display für diverse Informationen. Alles ist für den Fahrer sehr übersichtlich und gut ablesbar platziert. Auf der Mittelkonsole thront eine analoge Uhr im Maserati-Stil. Über das 8,4-Zoll-Touchscreen erfolgt die Steuerung von Audio, Klima, Navi, Telefon und anderen Bordsystemen.

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Die drei Fahrstufen-Tasten für den Sport- (S), Manuell- (M) und Effizienzmodus (ICE) liegen neben dem Getriebe-Wählhebel. Wobei ersterer für den Spaß zuständig ist und letzterer höchstens für gemütliche Stadtfahrten zu empfehlen ist. Ablagemöglichkeiten hatte der Testwagen in ausreichender Anzahl und Größe. Bei den Assistenzsystemen für den Maserati Ghibli S Q4 sollten die Italiener sich mal bei der Konkurrenz umsehen, denn die hat wesentlich mehr zu bieten.

❏ Motor + Fahrleistung

Der Testwagen hatte einen V6-Twin-Turbo-Motor mit knapp 3,0 Liter Hubraum und 410 PS Leistung. Mehr Motorisierungen sind für den allradgetriebenen Ghibli nicht im Angebot. Dieses Kraftwerk wurde zusammen mit Ferrari entwickelt und wird auch dort gebaut. Das maximale Drehmoment von 550 Nm erreicht der Ghibli bereits bei 1750 Umdrehungen im Sportmodus. Die Gewichtsverteilung fällt mit 51 % vorn und 49 % hinten fast optimal aus. Ein 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF passte perfekt zum Italiener und schaltete in jedem Fahrmodus die Gänge leicht und locker durchs Getriebe.

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Der Ghibli S Q4 ist mit einem Allrad-System ausgestattet. Bei Bedarf leitet es bis zu 50 Prozent der Motorkraft an die Vorderräder. Obwohl das Allrad-System 60 Kilogramm Zusatzgewicht ausmacht, ist es ein Gewinn für die Agilität und die Traktion des Autos. Kraft hat der Ghibli sowieso ohne Ende und ein Tritt aufs Gaspedal untermalt es mit einem beeindruckenden Sound aus dem Fanfarenquartett im Heck – zumindest wenn der Sportmodus gewählt wurde.

Im Stadtverkehr lässt sich der Maserati Ghibli S Q4 unproblematisch bewegen. Die Lenkung arbeitet schön leicht und sehr präzise. Bei der Rundumsicht verhält es sich im Ghibli wie bei den meisten Fahrzeugen heutzutage – nach hinten ist es nicht optimal. Natürlich fühlt sich ein 410-PS-Bolide wie der Maserati Ghibli S Q4 am Wohlsten auf der Autobahn. Wenn dann noch die 100-km/h-Marke in 4,8 Sekunden erreicht ist und kurze Zeit später der Tacho die Höchstgeschwindigkeit von 284 km/h anzeigt, spätestens dann merkt man, was der Ghibli für ein Temperamentbolzen ist. Und wenn es aus Tempo 100 Richtung 0 km/h gehen muss, steht der Wagen nach exakt 36 Metern.

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Kurven lassen sich ohne Angstschweiß auch mit höherem Tempo souverän durchfahren. Sollte es der Fahrer mit der Querbeschleunigung allerdings übertreiben, greift die Elektronik beherzt ein. Der Fahrkomfort überzeugte mich selbst im Sportmodus mehr als angenehm. Die Fahr- und Windgeräusche blieben selbst bei höheren Geschwindigkeiten dezent im Hintergrund. Maserati gibt den Durchschnittsverbrauch mit 10,5 Litern vom teuren Super Plus an. Doch von dem Wert war ich auf der Testfahrt weit entfernt.

❏ Fazit + Preis

Das der Maserati Ghibli S Q4 nicht für ein Taschengeld zu bekommen ist, dürfte klar sein. Bei 84.060 Euro geht es los und dafür fährt man dann aber auch einen italienischen Sportwagen mit Tradition, Design und Temperament.

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